Energy Globe Award für Biohaus-Stiftungs-Projekt in Haiti

Eine große Ehre für Paderborn und die Würdigung einer erfolgreichen Nord-Süd-Zusammenarbeit: Die in Österreich beheimatet „Energy Globe Foundation“ verlieh der Biohaus-Stiftung für Umwelt und Gerechtigkeit“ und der haitianischen Partnerorganisation Fondation St. Luc den nationalen „Energy Globe Award Haiti“ für ihr innovatives Partnerprojekt „SolarSmartGridTabarre“. Dieser „Weltpreis für Nachhaltigkeitwird in den Kategorien Erde, Feuer, Wasser, Luft und Jugend vergeben. Feuer steht dabei für erneuerbare Energien und den nachhaltigen Einsatz von Energie. Und genau dies ist Inhalt und Ziel des schon seit 10 Jahren laufenden Projekts in der Nähe der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Dort in Tabarre, einer Randgemeinde der Hauptstadt, betreibt die internationale Kinderhilfsorganisation „nph – Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ mithilfe ihrer lokalen Fondation St. Luc / Sankt-Lukas-Stiftung einen Komplex aus Waisenhäusern, Schulen, Behinderten-Einrichtungen, Handwerksbetrieben und Krankenhäusern, darunter das einzige „richtige“ Kinderkrankenhaus Haitis. Hier begann auch 2011 die für damalige Verhältnisse verrückte Idee, das Krankenhaus und nach und nach die anderen Gebäudekomplexe mit mehr Solar- als Dieselstrom zu versorgen. 2013 wurde als Erstes auf dem Dach des Kinderkrankenhauses mit gespendeten Solarkomponenten eine erste PV-Anlage errichtet, schon damals mit 83 Kilowatt Leistung eine der größten im Land. Installiert wurde sie von der Elektriker-Klasse der St. Luc-eigenen Berufsschule unter Anleitung von Biohaus-Stiftungsgründer Willi Ernst und eines jungen deutschen Solaringenieurs. Nach und nach wurden die anderen umliegenden Gebäudekomplexe wie das Erdbeben-Notkrankenhaus, die Schulen, die Kindergärten usw. mit dem Kinderkrankenhaus zu einem Stromverbundnetz zusammengeschlossen, dem „Smart Grid“. So konnte der Dieselverbrauch drastisch reduziert werden, hatte doch vorher jede Einheit ihren eigenen, oft überdimensionierten Dieselgenerator. Ein Batterie-Container speichert den Strom für die Abendstunden und ermöglicht, dezentral auch die Solar-Leistung zu steigern, größtenteils weiterhin mit Spenden der europäischen Solarbranche. Aktuell sind dies 830 Kilowatt, diese stellen immer noch die größte Solaranlage Haitis dar.

Denn obwohl auch andere Hilfsorganisationen mit Solartechnik aktiv sind, obwohl die Weltbank ausdrücklich den Staat zu Solartechnik ermutigt und fördert, die katastrophale innere Lage des kleinen Karibikstaates erschwert massiv diese Entwicklung. Hurrikans mit verheerenden Überschwemmungen wie im Jahr 2016, Erdbeben wie im Sommer diesen Jahres, Regierungskrisen und seit Jahren wuchernde Bandenkriminalität mit Strassensperren, Entführungen und Ermordungen lassen das Land nicht zur Ruhe kommen. Auch wegen des grassierenden Corona-Virus raten nicht nur das deutsche Auswärtige Amt, sondern auch die haitianischen Partner von Reisen nach Haiti ab, innerhalb des Landes geht fast gar nichts.

So haben die Aktiven der Biohaus-Stiftung die Kommunikation mit den haitianischen Partnern auf Internet-basierte Video- und Telefon-Kontakte umstellen müssen. Aber diese funktionieren! Denn nach dem fast 2-jährigen Einsatz eines deutschen Entwicklungshelfers als Solarlehrer an der Berufsschule und den -wann immer es möglich war- Kurzzeit-Einsätzen deutscher Fachleute, u.a. Franz Alsters aus Paderborn, steht in Haiti eine ausgebildete Mannschaft zur Verfügung: Die von allen Partnern gegründete eigene Solarfirma START wartet die Anlage, repariert, tauscht Komponenten aus, installiert Erweiterungen – und setzt mit von Deutschland aus per Internet unterstützten eigenen Leuten den Solarunterricht fort. In regelmässigen Video-Konferenzen im Rahmen eines vom Bundes-Entwicklungs-Ministeriums kofinanzierten Online-Projekts werden die Fäden zusammengehalten und alle Schritte koordiniert. „Und das funktioniert noch besser als erhofft“, sagt Willi Ernst, „entwickeln unsere haitianischen Freunde doch rasant mehr Eigeninitiative und Verantwortung. Wir sind begeistert!“

Große Ehre und Motivation zum Weitermachen

So löste denn auch die Preisverleihung der Energy-Globe-Stiftung auch Riesenjubel auf beiden Seiten des Atlantiks aus. „Wir sind stolz ebenso wie unsere deutschen Freunde“, schreibt Maxime Génécé, der haitianische Projekt-Ingenieur per Email, „und wir empfinden den Preis und die Ehre als Verpflichtung und Motivation zum Weitermachen. Schliesslich bedroht der Klimawandel die ganze Erde, und nur zusammen können wir dem entgegentreten. Dies zeigt unser Projekt.“

„Und dass dies gesehen und anerkannt wird“, ergänzt Willi Ernst, „macht uns allen Mut.“