Erdbebenhilfe mit Bambus in Kolumbien

Die Biohaus-Stiftung kehrt zu ihren Anfängen zurück – wenn auch notgedrungen. Denn nach Gründung der gemeinnützigen Stiftung „für Umwelt und Gerechtigkeit“ Ende 2009 war unser erstes (und bis heute bestehendes) Projekt, nach dem verheerenden Erdbeben 2010 in Haiti Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten.

Jetzt hat es ein anderes Projekt-Partnerland getroffen: Kolumbien. Das Erdbeben dort -bei gleicher Stärke 7,4 wie Haiti – hat zum Glück nicht Hunderttausende Tote zur Folge, aber Hunderte und Zigtausende Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, auch in der Grossstadt Cali. Und da ist die Gruppe „A la hora 30“ schon lange aktiv und  Projektpartner der Stiftung. Die Gruppe  ist seit einem Jahrzehnt damit beschäftigt, im Distrikt Aguablanca mit partizipativen Methoden soziale und ökologische Veränderungen anzustoßen. Angesichts der nach wie vor großen Bedrohung durch Paramilitärs und kriminelle Gruppen bedeutet Veränderung dort – nach der letzten Wahl eines rechtsradikalen Präsidenten verstärkt – Widerstand und hat viel mit Wissensaneignung zu tun. Die Gruppe ist davon überzeugt, dass mit Bambus, Lehm, Naturfasern und Holz nicht nur Gebäude errichtet werden, sondern auch ein würdevolles Leben gestaltet werden kann.

Bauen mit Bambus als ökologischem Baustoff?
Auch in Lateinamerika gelten Beton und Steine als der einzig wahre Baustoff. Aber auch dort erkennen mehr und mehr Menschen den nachhaltigen Wert ökologischer Baustoffe und Verkehrsmittel. So unsere Freunde in Cali. Sie planen mit uns zusammen ein Stadtteil- und Kulturzentrum in nachhaltiger Holzbauweise mit der ortsüblichen „Guadua“. Denn was den Westfalen die Eiche als langlebigster Baustoff wert ist, wissen die Kolumbianer am Bambus als nachwachsender Ressource zu schätzen. Nichts anderes ist Guadua, wie Bambus in Kolumbien genannt wird.

Anfang des Monats August haben sich die Ereignisse dort überschlagen: Bei Demonstrationen nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten wurden etliche Aktivisten auch aus dieser Gruppe verhaftet. Kaum wieder frei, erlebten sie das Erdbeben am 10. August hautnah. Zwar gab es in ihrem Viertel keine Toten, aber Tausende Häuser waren zerstört und Zigtausende Menschen völlig verängstigt. 

Die Gruppe H 30 wurde sofort aktiv, organisierte Lebensmittel und Matratzen für die Menschen – und gründete die „misión yurtas valle“ mit dem Plan, mindestens 100 Notunterkünfte aus Bambus zu bauen – „Bambus-Jurten“ genannt.

Zur Unterstützung haben sie jetzt die Biohaus-Stiftung angefragt, und wir haben sofort eine Spende von 3.000 € auf den Weg gebracht. Doch benötigt wird natürlich sehr viel mehr – für Bambus, Bindedraht, Werkzeuge und Transport.

Daher haben wir eine Sonder-Spendenkonto eingerichtet und bitten um Spenden unter dem Stichwort „Erdbeben Kolumbien, Cali“ auf unser Konto DE16 4306 0967 4092 8583 00 bei der GLS Gemeinschaftsbank eG, Bochum.

Und so laufen die Arbeiten zur Herstellung und Verteilung der Jurten (Stand 28.8.26):

Passende Bambus-Stangen werden in den Wäldern um Cali gefällt und in einer Werkstatt im Bezirk Aguasblancas hergerichtet. Dort werden die Jurten auch vorgefertigt, indem Gitter / Geflechte entstehen, die an den Knotenpunkten mit Draht verbunden werden.
Die vorgefertigten Strukturen werden dann mit LKW zu den Orten gebracht, wo sie zusammen mit den zukünftigen Bewohnern aufgerichtet und mit wasserundurchlässiger Leinwand oder Plastikplanen gegen Sonne und Regen abgedichtet werden.

Wichtig ist der Gruppe, daß die Jurten so konstruiert sind, daß sie nicht nur als Notunterkünfte dienen, sondern später durch die Bewohner und Anleitung erweitert werden können und sich zu dauerhaften „würdigen Wohnstätten“ entwickeln können.

Die ersten 2 Jurten sind im Barrio Santa Elena, Cali und im Department El Choco, dem Epizentrum des Erdbebens errichtet worden, 2 weitere in der Gemeinde Chiminangos.